Britisch oder amerikanisch?

In meinen Augen als Problem weit überschätzt. Schreib „center“,  „honor“ und „realize“, und der Text geht allemal als amerikanisch durch.

Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt gefährlich auf ein paar Zehen herum trample  – ich finde, dass die Unterschiede zwischen britischem und amerikanischem Englisch weithin überschätzt werden.

Tatsächlich sind die verbissensten Vertreter des Einen oder Anderen oftmals Deutsche, die entweder in UK oder den USA studiert haben. Ich bezweifle jedoch, dass die meisten Leser englischer Texte die jeweiligen Merkmale bewusst wahrnehmen, solange sie nicht aktiv danach suchen (ich jedenfalls nicht, und ich lese eine Menge Englisch). In Anbetracht der Tatsache, dass es weltweit zweimal so viele Menschen mit Englisch als Zweitsprache wie Muttersprachler gibt, dürfte die Globalisierung ein Übriges tun, um die Grenzen zu verwischen.

Zugegeben: Allein der einschlägige Wikipedia-Artikel umfasst 40 DIN-A 4 Seiten. Im wirklichen Leben aber unterscheiden sich die beiden Dialekte hauptsächlich in der Aussprache, was für meine Arbeit irrelevant ist. Natürlich gibt es noch eine Reihe kleinerer grammatischer und lexikalischer Differenzen, wobei sich letztere häufig auf die intimeren Aspekte des Lebens beziehen (man denke an toilet vs. restroom). Keine von diesen führt jedoch zu gegenseitiger Unverständlichkeit. Infolgedessen reicht es in der Marketingkommunikation fast immer, vier einfache Regeln zu befolgen, damit ein Text „amerikanisch“ aussieht: Center und theater mit –re statt –er, honor, flavor etc. mit –or statt –our und realize, optimize etc. mit –ize statt –ise. Oh, und natürlich fahren Amis Sedans und Station Wagons, während man auf den Inseln Saloons und Estate Cars bevorzugt. Den Rest erledigt die Rechtschreibprüfung.